Lexikoneintrag und neuere Recherchen über unsere Worfeldener Orgel:
„Da bisher ein Orgelmacher dieses Namens' weder in Bamberg noch in der weiteren Umgehung gefunden wurde, ist u.U. zu erwägen, ob nicht ein Lese- oder Übertragungsfehler vorliegt, so dass der legendäre Adam Knauth in Wirklichkeit mit Adam Dietrich aus Weismain identisch sein könnte.” (Lex. süddt. OB 5203)
" Die Vermutungen im Lexikon süddeutscher Orgelbauer sind inzwischen erledigt. Wie ich in "Alte Orgeln in Hessen und Nassau" (2. Aufl. 1997) dargelegt habe, ist der Name Adam Knauth als Erbauer der Darmstädter Schlosskirchenorgel für 1624 archivalisch belegt. Orgelbauer Knauth hat es im 17. Jahrhundert im Mainfränkischen gegeben, aber erst aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg, und ein Zusammenhang mit dem Erbauer der Darmstädter Schloßkirchenorgel ist allenfalls hypothetisch. So istdie einzige nachgewiesene Tatsache der Bau der Schloßkirchenorgel durch Adam Knauth 1623/24. Über ihn gibt es keine weiteren Informationen, und weitere Orgelbauten lassen für ihn nicht nachweisen. Das ist der augenblickliche Sachstand, trotz der Bemühungen verschiedener Forscher, und nur ein Zufallsfund könnte noch weiterführen." Dr. Hans Martin Balz
Generell gibt es aus dieser Epoche nur ein Instrument:
Das in der Wallfahrtskapelle auf dem Gügel bei Scheßlitz, das um 1610 von einem Unbekannten gebaut wurde.
Es hat äußerlich gewisse Ähnlichkeiten mit der Worfeldener Orgel, aber das kann reiner Zufall sein.
Ein Bild dieser Orgel aus der Wallfahrtskapelle und eine kurze Beschreibung - so weit dies überhaupt möglich ist - werden in Kürze hier präsentiert.
Eine weitere historische Orgel, die Adam Knauth zugeordnet wird, steht in Wutach nahe Freiburg im Preisgau.
Somit kämen wir schon auf drei Orgeln, die von Adam Knauth stammen könnten.
1) Die Orgel in der Wallfahrtskapelle auf dem Gügel bei Scheßlitz
2) Die Darmstädter Schloßorgel (Seit 1830 in der Evangelischen Kirche Worfelden)
(Historisch belegt an Hand von Urkunden und Quellen bei Dr. Hans Martin Balz)
3) Die Orgel in der Evangelischen Kirche in Wutach (nahe Freiburg im Preisgau)
Gedankt sei an dieser Stelle den Orgelfreunden Dr. Nehr und Kirchenpfleger Heinert für diese Recherchen
Orgelgeschichte Darmstadts
Die römischen Zahlen geben die Zahl der Manuale, die arabischen die der Register an.)
Die nachweisbare Orgelgeschichte DAs beginnt 1587.
Damals war eine kleine O. in der Schlosskirche vorhanden.
1601 wurde eine O. in der Stadtkirche gebaut (Johann Grorockh, Frankfurt, I/8, ohne Pedal).
1623 erhielt die Schlosskirche ein Werk (I/6, ohne Pedal) von Adam Knauth »aus dem Stift Bamberg«, das in Worfelden erhalten ist.
Ihm folgte 1711 eine O. (II/24) von Christian Vater aus Hannover und 1878 eine O. von E. F. Walcker, Ludwigsburg (II/11).
Die Stadtkirche erhielt neue O.n 1690 (I/15, Joh. Anton Meyer, DA, Verzierungen in Crumstadt erhalten),
1805 (II/25, Johannes Oberndörfer, Jugenheim) und 1873 (II/28, E. F. Walcker, Ludwigsburg). Wilhelm Sauer (Frankfurt/Oder) erweiterte die Walcker- O. 1908 (nun III/57). Für die 1827 eingeweihte St. Ludwigskirche baute Gottlieb Dietz aus Zwingenberg die O. (II/34).
Die später gebauten Kirchen erhielten O.n bekannter Werkstätten wie Sauer, Steinmeyer, Walcker, Weigle und Voit. Sämtliche O.n der Innenstadt wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört.
Die einzigen historischen Bestände sind die Schlosskirchen-O. von 1623 in Worfelden
und die von Bernhard Dreymann aus Mainz 1823/27 gebaute O. (I/11) in dem heutigen Stadtteil Wixhausen.
Die größten O.n der Stadt sind 2005 die Schuke-O. der Pauluskirche (1969, IV/54) und die Bosch-O. der Stadtkirche (1961, III/49), die übrigen stammen von hess. (Bosch, Förster & Nicolaus, Andreas Ott) und anderen Werkstätten. Die St. Ludwigskirche erhielt 2005 eine O. von Claudius Winterhalter (III/42). Außer in den Kirchen gab es O.n auch auf dem Rathaus (1612), in Schulen (Pädagog 1626), im Theater, in der Synagoge, im Moller-Haus und sogar im Gefängnis.
Die meisten Nachweise stammen aus dem 19. Jh. [MB] Schlosskirche Die 1597 fertig gestellte S. des Darmstädter Residenzschlosses ersetzte die 1377 geweihte Burgkapelle der Darmstädter Wasserburg, die 1546 im Schmalkaldischen Krieg zerstört worden war. Die in den beiden unteren Geschossen der Nordhälfte des Kirchenbaus gelegene S. wurde über rechteckigem Grundriss mit reich dekorierten Säulen, Sterngewölbe und vierseitig umlaufenden Emporen errichtet. Sie gehört zu den frühesten protestantischen Kirchenbauten in Hessen, orientierte sich jedoch mit dem am südlichen Ende stehenden Altar und einer seitlich an der Langseite platzierten Kanzel noch an den mittelalterlichen Bauformen.
1705 wurde der Kirchenraum durch Landgraf Ernst Ludwig grundlegend umgestaltet. Nach dem Vorbild der S. von Schmalkalden, bei der sich ein neuer, idealer Typus für den protestantischen Kirchenbau herausgebildet hatte, wurde die Kanzel an die südliche Schmalseite versetzt und bildete mit dem Altar und der Orgel auf der Südempore eine Einheit.
Des weiteren wurde ein zweites Emporengeschoss eingezogen und 1709 das zwischen 1628 und 1631 geschaffene figurengeschmückte Kirchenportal des Dresdener Bildhauers Kaltenmarsch durch ein von Louis Remy de la Fosse entworfenes, bis heute erhaltenes Portal ersetzt. Wegen schwer wiegender Bauschäden wurde die S. zwischen 1841 und 1843 unter der Oberleitung von Georg Moller nochmals stark verändert und dabei der alte Bestand fast völlig beseitigt. Das Steingewölbe wich einer Holzkonstruktion und die kräftigen Säulen wurden durch schlanke, kannelierte Säulen ersetzt.
Das untere Emporengeschoss wurde entfernt und das obere in Holz erneuert. Ein weiterer einschneidender Umbau folgte 1891 unter Großherzog Ludwig IV.; er ließ das Holzgewölbe durch eine flache Holzdecke und Mollers kannelierte Säulen durch glatte Säulen ersetzen.
In der Darmstädter Brandnacht wurde der Kirchenbau und damit die S., die seit 1919 Pfarrkirche der Schlossgemeinde war, zerstört. Die S. konnte an alter Stelle und in den früheren Abmessungen als ev. Studentenkirche in vereinfachter Form bis 1967 wiederhergestellt werden. Seit 1970 wird der Kirchenraum von der Universitäts- und Landesbibliothek als Büchermagazin genutzt. [AC] Lit.: Zimmermann, Georg: Das Darmstädter Schloss und seine Baugeschichte, Darmstadt 1978; Haupt, S. 195–198.
Gedank sei an dieser Stelle dem Stadtarchiv am Karolinenplatz in Darmstadt : Hier: Frau Sabine Lemke