Sie haben die Möglichkeit, sich eine eigenes CD von dem Orgelkonzert in MP3 zu brennen
Die Orgel aus der Darmstädter Schlosskirche ist fast 400 Jahre alt.
Das entspricht 13 Generationen. Bedenken wir, dass wir allenfalls von unseren eigenen Urgroßeltern noch etwas wissen,
also drei Generationen zurück, wird klar: Bei einem solchen Abstand gibt es natürlich einiges zu erklären.
Trotzdem, erstaunlich genug, sprechen Äußeres und Klang uns auch heute noch unmittelbar an. Die Orgel wurde 1624 fertiggestellt, also in den ersten Jahren des Dreißigjährigen Kriegs.
Um 1600 hatte sich die Kultur in ganz Europa auf eine außerordentliche Höhe entwickelt. Trotzdem konnte man sich in der Darmstädter Residenz nur eine zwar sehr gute,
aber doch recht kleine Orgel leisten. Im Gegensatz zu größeren Orgeln hatte sie ein einziges Manual (Tastatur für die Hände)
und kein Pedal (Tastatur für die Füße). Hessen-Darmstadt war ein armes Land, in der Landgrafschaft Hessen-Kassel war man so wohlhabend, dass zur gleichen Zeit in Kassel drei viel größere Orgeln gebaut werden konnten.
Nun folgten allmählich für Deutschland Absturz, Zerstörung und Verwüstung,
und damit vor allem eins: Armut.
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gab es nur einen allmählichen Wiederaufbau.
Man konnte deshalb in Darmstadt erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts an die Anschaffung einer größeren Orgel denken, so lange, bis 1709, blieb die Orgel von 1624 dort in Gebrauch.
Wegen ihrer Qualität wurde sie aber nicht aufgegeben, sondern nach Zwingenberg geschenkt und 1831 von dort nach Worfelden abgegeben.
Die schlichte Fachwerkkirche dort wurde 1696 gebaut und hatte bis 1831 keine Orgel.
Bis heute blieb die Worfelder Orgel etwas Besonderes,
weil sie aus dem Besitz der Hessischen-Darmstädtischen Landgrafen stammt. Die äußere Gestalt der Orgel ist freilich nicht mehr ganz die von 1624.
Bei einer Reparatur im Jahre 1681 wurde eine neue Farbfassung angelegt
und die Verzierungen ergänzt. Vor allem aber wurden die beiden Engel links und rechts angebracht.
Er verdeckt die Pfeifen für die Töne Fis und Gis in der tiefsten Oktave.
die damals hinzugefügt wurden.
Wenn man einen Blick durch das kleine Gehäuse für die hinzugefügten Pfeifen hindurch auf die hinzugefügte linke Gehäuseseite wirft, kann man einen Rest der ursprünglichen Farbfassung von 1624 noch erkennen, sie bestand nach Art der Renaissance aus Schwarz und Gold.
Für die 1681 eingefügten, bis dahin noch fehlenden Töne Fis und Gis in der tiefsten Oktave mussten natürlich auch Tasten in die Klaviatur eingefügt werden.
Die Tasten Fis und Gis waren dort zwar schon vorhanden,
(Ursprünglich gab es in der tiefen Oktave keine Obertasten außer dem B,
deshalb war die Tastenbelegung dort anders als in den übrigen Oktaven. Man bezeichnet das als die "kurze Oktave".
Sie beginnt mit der Taste E, diese lässt den Ton C klingen,
die Taste Fis den Ton D und die Taste Gis den Ton E.
(Es gab also schon "Fis"- und "Gis"-Tasten.) Um die neuen Töne Fis und Gis anzuspielen, ohne die Klaviatur zu verändern,
wurden die Tasten Fis und Gis geteilt, so dass D und E wie bisher vom vorderen, Fis und Gis vom hinteren Bereich der Tasten angespielt werden. Wegen der Teilung der Tasten spricht man von der "gebrochenen Oktave".
Lassen Sie sich nicht durch diese Details verwirren, auf jeden Fall verstehen Sie, dass jeder Organist sich gut auf diese ganz ungewöhnlichen Besonderheiten einstellen muss.
Und noch eins sei hervorgehoben: Diese Besonderheit ist nur in der tiefsten Oktave vorhanden, die anderen drei Oktaven haben die gewohnte Tastenanordnung.
Eine weitere Besonderheit der Orgel ist die Stimmung.
Zum einen ist sie wesentlich höher als heute üblich,
zum anderen sind acht Durterzen besonders rein und ruhig,
dafür klingen andere Intervalle, die seltener gebraucht werden, verstimmt.
Das macht das Zuhören gelegentlich etwas aufregend.
Und noch eine letzte Besonderheit sei erwähnt. Die Registerzüge lassen sich, auch wenn man ganz behutsam vorgeht,
nicht ohne kräftige Geräusche bedienen.
Auch das weist auf die Entstehungszeit der Orgel hin, in der es im täglichen Leben ganz wesentlich lauter zuging, als wir das heute kennen.
Denken wir nur an das Getrappel der Pferdehufe auf Straßenpflaster und das Räderrollen der Fuhrwerke.
Das Klappern der Registerzüge muss damals als selbstverständlich und nicht störend empfunden worden sein.
Für eine solche kleine Orgel gab es damals sehr viel Musik,
von der eine kleine Auswahl den Klang der Orgel
der Darmstädter Schlosskirche l
ebendig machen und Sie auf eine
musikalische "Zeitreise" führen soll.
Das erste Stück stammt übrigens exakt aus der Reformationszeit
und stellt damit noch einen besonderen Bezug zum heutigen Tage her.
Dietrich Buxtehude 1637–1707
Toccata in G
Canzona in d
Canzonetta in G
Johann Gottfried Walther 1684–1748
Variationen über „Meinen Jesum lass’ ich nicht“ (1713)
Concerto del Signor Gregori, appropriato all’ Organo
(Largo – Allegro – Adagio e staccato – Allegro)
GENIESSEN SIE IN DIESEM PRACHTVOLLEN BILDBAND VON DR. MARTIN BALZ
rund 80 der eindrucksvollsten und berühmtesten Orgeln aus ganz Deutschland
— eine einzigartige Zusammenstellung von Orgeln aus allen Stilepochen
vom Beginn des 17. Jahrhunderts bis zur Gegenwart.
Alle in diesem Band versammelten Orgeln sind noch original erhalten und
fügen sich in Gestalt und Klang harmonisch in den Kirchenraum ein. Ganzseitige brillante Fotografien zeigen die immer zeittypische,
meist reich verzierte Vorderseite der Orgeln und machen diesen Band
zu einem Highlight für jeden, der sich für Orgeln begeistert.
Mit kulturgeschichtlicher Einführung, Glossar,
Register der Orgelbauer und Dispositionen zu jeder Orgel.
- Auch unsere Worfelder Orgel gehört zu den 80 eindrucksvollsten
und berühmtesten Orgeln und wurde in diesem Werk gewürdigt -
Orgelkonzert zum Reformationsfest 2008 in der Eangelischen Kirche Worfelden
Freitag, 31.10.2008 - 19:00 Uhr - mit Dr. Martin Balz
Die Ev. Kirche Worfelden besitzt die älteste Orgel weit und breit. Sie wurde 1624 für die Schlosskir¬che in Darmstadt gebaut, hat über hundert Jahre in Zwingenberg ge¬standen und 1831 ihren heutigen Platz in der Kirche von Worfelden gefunden. Durch sein Äußeres ist das Inst¬rument ein prachtvolles Schmuck-stück der Kirche. Eine 384 Jahre alte Orgel hat aber auch einige Besonderheiten, die sie von heutigen Orgeln unterscheiden. Die sogenannte „mitteltönige Stimmung' weist viele besonders schöne Zusammenklänge auf, während einige wenige ungewohnt herb klingen. Das macht das Zuhören geradezu spannend. Die Tonhöhe ist 1 1 /2 Töne höher als heute üblich und es gibt nicht das sonst vertraute Orgelpedal. Das Programm stellt die Orgel vor allem mit Kompositionen aus der Bauzeit vor, die be¬sonders gut zu ihr passen und nimmt auch Bezug auf den Reforma¬tionstag. So erleben Sie in diesem Konzert alte Musik und eine alte ehrwürdige Orgel. Das Konzert wird gestaltet von DR. MARTIN BALZ, dem langjährigem hauptamtlichen Orgelsachverständigen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, der die Restaurierung der Worfelder Orgel 1983 durch die international bekannte Werkstatt Jürgen Ahrend in Loga/ Ostfriesland betreut hat.
Ein Kommentar "Gespenster": Nein, hier geht es nicht um Ibsens berühmtes Drama,
dessen zentrales Thema die Lebenslügen sind und in dem ein Pastor eine Hauptrolle spielt.
Man sollte es übrigens mal wieder lesen, oder besser noch, aufführen. Es geht darum, was Halloween und der Reformationstag gemeinsam haben:
Es ist der Kampf gegen Gespenster. Gruselig beleuchtete Kürbisse und den Thesenanschlag von Wittenberg miteinander in Verbindung zu bringen mag recht gewagt erscheinen.
Aber beide wollen ja am Vorabend des Allerheiligentages Gespenster bannen.
Hier die Gespenster der umherirrenden Verstorbenen,
dort die Gespenster einer in ihren Irrtümern alt und unbelehrbar gewordenen Kirche.
Ob die Kürbisfratzen ihren Zweck erfüllen? Da der christliche Glaube nichts von Toten weiß, die sich dann und wann zu einer Erscheinungstournee aufmachen, um den Lebenden einen gehörigen Schrecken einzujagen,
können wir die Frage auf sich beruhen lassen.
Auch wenn Halloween, wie viele meinen, prima zum rheinischen Brauchtum passt.
Ganz und gar nicht überflüssig ist hingegen der Reformationstag.
An die Reformation dankbar zu erinnern und sie fröhlich zu feiern ist vor allem immer wieder notwendig, damit die Kirche nicht zum Opfer ihrer eigenen Lebenslügen und damit selber zum Gespenst wird.
Zum Gespenst abgelebter Tradition, zum Gespenst verknöcherter Verkündigung, aber auch zum Gespenst trendiger Zeitgeistigkeit.
Wie kann man dagegen angehen? Gespenster, das weiß jedes Kind, bannt man am besten mit Gesang. Auch da kann Martin Luther helfen.
Ihm verdanken wir eine herrlich mitreißende Melodie und einen wunderschönen mutmachenden Text. Der Düsseldorfer Heinrich Heine nannte das Lied von der festen Burg begeistert die "Marseillaise der Reformation".
Heute, wie damals gilt: "Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren; es streit für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott, das Feld muss er behalten."
Kleine Zeitleiste
1483 Geburt von Martin Luther
1499 Geburt von Katharina von Bora
1505 In einer Gewitternacht legt Luther ein Gelübde ab:
"Heilige Anna hilf, ich will ein Mönch werden" 17.07.1505 Luther tritt in das Kloster der Augustinereremiten in Erfurt bei
1508 Luther in Wittenberg
1510 Luther pilgert nach Rom
1512 Luther erhält Doktortitel
1515 Katharina legt Gelübde als Nonne ab
04.09.1517 Luther zeigt Kollegen seine 95 Thesen
1521-1522 Martin Luther als Junger Jörg auf der Wartburg
1523 erschien Luthers Übersetzung des Neuen Testaments
13.06.1525 Trauung von Martin und Katharina durch Johannes Bugenhagen
29.10.1525 Luther hält erste Messe auf Deutsch
1526 Geburt von Sohn Johannnes
1527 Geburt von Tochter Elisabeth
1529 Geburt von Tochter Magdalena
1531 Geburt von Sohn Martin
1533 Geburt von Sohn Paul
1534 Geburt von Tochter Margarethe
1546 Tod Martin Luthers
1552 Tod Katharinas von Bora
Vor dem Konzert zu Reformationsfest
besuchen noch 4 Worfeller Kids den Pfarrer!
Natürlich gabs auch etwas Süßes!!
Bis nächste Woche in der Schule!